Immunerkrankug
Borreliose - Die Diagnose ist schwierig

Borreliose - Neue Antibiotika sind gegen Lyme-Borreliose wirksam
Besonders im Frühjahr sind die Überträger der Borreliose aktiv: die Zecken. Zecken können verschiedene Infektionserreger auf den Menschen übertragen. Hierbei stellt die Lyme-Borreliose, die am häufigsten übertragene Krankheit dar. Sie wird durch eine Gruppe von bakteriellen Erregern, den Borrelien verursacht. Hierzulande sind etwa fünf bis 35 Prozent der Zecken mit Borrelien befallen. "In Deutschland geht man von etwa 60.000 Neuerkrankungen im Jahr aus", erklärt Privatdozent Dr. Peter Kraiczy, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Mikrobiologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dabei führt nur etwa jeder 100 Zeckenstich zu einer Infektion mit Krankheitssymptomen.

Neue Antibiotikaklassen wirksam
"Grundsätzlich muss jede Lyme-Borreliose antibiotisch therapiert werden. Je früher therapiert wird desto sicherer werden Spätfolgen vermieden", führt Kraiczy weiter aus. In Studien konnte die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Klaus-Peter Hunfeld erstmals zeigen, dass neben Tetracyclinen und ß-Lactamen auch moderne Chinolone und neu entwickelte Antibiotikaklassen wie die Ketolide in vitro gegen Borrelien wirksam sind. Diese Antibiotika sind Kandidaten für weiterführende klinische Therapiestudien. Wie Dr. Hunfeld zusammen mit Wissenschaftlern aus Slowenien nachweisen konnte, sind solche Untersuchungen deshalb von großer Bedeutung, weil Borrelien bisher eingesetzte Therapien durchaus überleben können.

Klinische Diagnostik der Lyme-Borreliose ist oftmals schwierig
Die Symptomatik der Lyme-Borreliose ist ausgesprochen vielschichtig. Aus diesem Grund ist die Diagnose schwierig. Nach einer Infektion kommt es in der Regel zu Hautreaktionen, die oft von selbst wieder verschwinden. Daneben können allerdings auch eine Reihe schwererer Symptome auftreten, die neben der Haut vor allem das Nervensystem und die Gelenke betreffen. "Normalerweise gelangen die Borrelien erst nach längerem Blutsaugen mit dem Speichel der Zecke in den menschlichen Körper. Wenn eine Zecke vor Ablauf innerhalb von 24 bis 48 Stunden entfernt wird, ist eine Infektion eher unwahrscheinlich", so der Mikrobiologe.


"Tarnkappe" der Borrelien gelüftet
Bereits im Jahr 2000 hatten Mitarbeiter des Institutes für Medizinische Mikrobiologie in Zusammenarbeit mit deutschen Forschern herausgefunden, dass manche Borrelien-Stämme der Immunabwehr entgehen, indem sie sich selbst als menschliche Zellen tarnen.

Gemeinsam mit Kollegen in Heidelberg, Jena und Oxford kam Institutsleiter Professor Dr. Volker Brade mit seinem Team jetzt noch ein ganzes Stück weiter. Es gelang die Struktur eines Proteins zu entschlüsseln, das für diese "Tarnung" zuständig ist. Es sitzt auf der Oberfläche der Borrelien und bindet ein menschliches Eiweiß (Faktor H), dass normalerweise körpereigene Zellen vor einem Angriff der Immunabwehr schützt. So ist der Erreger nicht mehr als körperfremd zu erkennen. Neuere Behandlungsstrategien könnten darauf zielen, diese Tarnkappe unwirksam zu machen, d.h. die Bindung von Faktor H an das jetzt identifizierte Borrelienprotein zu verhindern. (idw 05/2005)




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