Alzheimer frühe Diagnose hilfreich
Alzheimer: Frühe Diagnose hilfreich
Der Würzburger Nervenarzt Alois Alzheimer dokumentierte 1906 erstmals eine Krankheit, die danach mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen immer häufiger diagnostiziert wurde und die den Namen des fränkischen Arztes trägt.
Heute weiß man: Alzheimer beginnt meist schon Jahre, bevor die ersten Symptome auftreten. Dabei entstehen im Gehirn Eiweißablagerungen, die offenbar die Impulsweiterleitung - also die Kommunikation der Nervenzellen untereinander - behindert. Im Laufe der Zeit sterben dann die Nervenzellen ab, die für Gedächtnis, Sprache und Denkfähigkeit notwendig sind. Ob die Ablagerungen die Ursache sind oder eine Begleiterscheinung des Zelltodes darstellen, ist bisher nicht geklärt. Ebenso ist die eigentliche Ursache des Leidens noch immer unbekannt. Sicher ist jedoch, dass die Anzahl der Erkrankten Jahr für Jahr zunimmt und dass die Alzheimererkrankung auch fast 100 Jahre, nachdem sie erstmals diagnostiziert wurde, noch immer als unheilbar gilt.
Wir haben Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Leiter des Zentrums für Altersmedizin Haus Berge in Essen, nach Diagnose- und Therapiemöglichkeiten für diese Erkrankung gefragt, von der jedes Jahr 20.000 Menschen mehr betroffen sind.
Prof. Dr. Nehen, was sind die ersten Zeichen dafür, dass jemand an Alzheimer leidet?
Prof. Dr. Nehen: Die Anfangsphase der Erkrankung kann bis zu fünf Jahren dauern. In dieser Zeit sind die Probleme der Betroffenen jedoch nicht offensichtlich. Noch ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen: Die Erkrankten vergessen häufig Termine oder wo sie etwas hingelegt haben. Es fällt ihnen schwer, sich auszudrücken und erste Schwierigkeiten mit Orientierung und Zeitgefühl machen sich bemerkbar. Situationen, denen sie sich nicht mehr gewachsen fühlen - beispielsweise ein Skatabend mit Freunden - versuchen sie jetzt zu vermeiden. Auf das Nachlassen ihrer Fähigkeiten reagieren sie mit Wut, Aggression, Scham oder beschuldigen andere, beispielsweise Dinge versteckt zu haben. In dieser Phase wollen die Erkrankten, aber auch deren Angehörige, der Wahrheit häufig nicht ins Gesicht sehen. Man sollte sich aber nicht scheuen darüber zu reden, wenn erste Symptome auftreten. Ein Besuch beispielsweise in der Memory-Clinic, unserer Gedächtnisambulanz, bringt Gewissheit, ob es sich tatsächlich um die Alzheimererkrankung handelt oder ob die Störungen andere Ursachen haben.
Wie wird Alzheimer diagnostiziert?
Prof. Dr. Nehen: Auch mit der heutigen Apparatemedizin lässt sich Alzheimer nicht sicher diagnostizieren. Da die Gedächtnisstörungen und die anderen Symptome der Erkrankung Anzeichen ganz unterschiedlicher Krankheitsbilder sein können, gilt es diese auszuschließen. Dabei reicht die Sachkenntnis eines einzelnen Facharztes allein nicht aus. Bei uns in der Memory-Clinic testen und untersuchen mehrere Spezialisten aus den Fachbereichen Psychologie, Geriatrie, Psychiatrie und Pädagogik die Ratsuchenden. Das Gespräch steht dabei im Vordergrund. Patienten werden über ihr Leben, ihre Zukunftsentwürfe und über ihr soziales Umfeld befragt. Ein Neurologe prüft, ob eine organische Hirnstörung vorliegt. Dazu werden die Reflexe und Abwehrmechanismen getestet. Eine zusätzliche Abbildung des Gehirns mit Hilfe der Computer- oder Magnetresonanztomographie wird durchgeführt, wenn ein Verdacht auf andere Erkrankungen des Gehirns besteht. In psychologischen Tests werden Schweregrad und Art der Denkstörung und die Gedächtnisfähigkeit bestimmt. Dabei wird geprüft, ob abstrakte Zusammenhänge hergestellt, Zahlengrößen zugeordnet und Dinge konkret benannt werden können. Hier wird deutlich, ob der Ratsuchende lediglich eine Konzentrationsschwäche hat oder ob ihm die Wirklichkeit tatsächlich entgleitet. Die Einzelergebnisse werden zusammengefasst und bewertet. Durch gegenseitige Ergänzung und Kontrolle wird so gerade bei der Früherkennung einer Alzheimerdemenz der Gefahr von Fehlentscheidungen vorgebeugt.
Alzheimer gilt immer noch als unheilbar. - Welchen Sinn hat es, die Krankheit frühzeitig zu diagnostizieren?
Prof. Dr. Nehen: Eine möglichst frühe Diagnose ist deshalb sinnvoll, weil die heute verfügbaren Medikamente wie NMDA-Antagonisten oder Acetylcholinesterasehemmer zu Beginn der Krankheit am besten wirken. Je früher Alzheimer erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Chance, den Krankheitsprozess zu verlangsamen. Allerdings lässt sich nach bisherigem Forschungsstand auch mit der effektivsten Therapie der Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit nur um durchschnittlich ein Jahr verzögern. Arzneien, die das Absterben der Nervenzellen verhindern, gibt es leider noch nicht. Unser Ziel ist es daher, die Alltagskompetenz der Betroffenen möglichst lange zu erhalten und eine Pflegebedürftigkeit bzw. Heimeinweisung hinauszuzögern. Dazu ist manchmal auch der Einsatz von zusätzlichen Medikamenten z.B. gegen Unruhe oder Schlafstörungen, gegen parkinsonähnliche Bewegungsstörungen oder Depressionen notwendig. Neben der medikamentösen Therapie können auch Krankengymnastik oder Ergotherapie hilfreich sein. Da die Alzheimerdemenz laufend fortschreitet, ist jeder Stillstand der Erkrankung bereits ein Behandlungserfolg.
Wie ist die Prognose?
Prof. Dr. Nehen: Die Therapie von Alzheimer bedarf viel Erfahrung. Deshalb ist es wichtig, dass der Patient in speziellen Instituten und von erfahrenen Fachärzten behandelt wird. Vom Zeitpunkt der Diagnose an leben die meisten Patienten noch etwa vier bis acht Jahre, einige aber auch bis zu 20 Jahren. Je früher die Krankheit einsetzt, desto schneller ist meistens auch ihr Verlauf. Mit den Medikamenten und den anderen Therapiemaßnahmen kann, wie schon gesagt, diese Entwicklung in vielen Fällen verlangsamt werden. Gelegentlich kommt es dabei auch zu einer vorübergehenden Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Früher oder später werden die Patienten jedoch alle pflegebedürftig, was für die Angehörigen eine hohe psychische Belastung darstellt.
Woran sollte man noch denken, wenn die Krankheit diagnostiziert wurde?
Prof. Dr. Nehen: Zu Beginn ihrer Krankheit können Erkrankte noch vieles für die Zukunft regeln: Rechtliche und finanzielle Fragen sollten rechtzeitig und mit Hilfe professioneller Berater wie Rechtsanwälten und Fachärzten geklärt werden. Neben dem Testament ist eine Patientenverfügung sinnvoll, in der festgelegt wird, was passiert, wenn der Patient irgendwann nicht mehr in der Lage ist, medizinischen Maßnahmen zuzustimmen oder diese abzulehnen. Außerdem sollte er eine Person des Vertrauens bevollmächtigen, für ihn zu handeln, wenn er es selbst nicht mehr kann. Betroffene und deren Angehörige können jetzt auch noch gemeinsam überlegen, wie es weitergeht, wenn der Patient nicht mehr allein leben oder zuhause gepflegt werden kann. Insgesamt kann man sagen, dass eine frühzeitige Diagnose dem Betroffenen hilft, die ihm noch verbleibende, bewusst erlebte Zeit besser zu planen und den Angehörigen, sich auf ihre künftigen Aufgaben vorzubereiten. (EKE)
Der Würzburger Nervenarzt Alois Alzheimer dokumentierte 1906 erstmals eine Krankheit, die danach mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen immer häufiger diagnostiziert wurde und die den Namen des fränkischen Arztes trägt.
Heute weiß man: Alzheimer beginnt meist schon Jahre, bevor die ersten Symptome auftreten. Dabei entstehen im Gehirn Eiweißablagerungen, die offenbar die Impulsweiterleitung - also die Kommunikation der Nervenzellen untereinander - behindert. Im Laufe der Zeit sterben dann die Nervenzellen ab, die für Gedächtnis, Sprache und Denkfähigkeit notwendig sind. Ob die Ablagerungen die Ursache sind oder eine Begleiterscheinung des Zelltodes darstellen, ist bisher nicht geklärt. Ebenso ist die eigentliche Ursache des Leidens noch immer unbekannt. Sicher ist jedoch, dass die Anzahl der Erkrankten Jahr für Jahr zunimmt und dass die Alzheimererkrankung auch fast 100 Jahre, nachdem sie erstmals diagnostiziert wurde, noch immer als unheilbar gilt.
Wir haben Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Leiter des Zentrums für Altersmedizin Haus Berge in Essen, nach Diagnose- und Therapiemöglichkeiten für diese Erkrankung gefragt, von der jedes Jahr 20.000 Menschen mehr betroffen sind.
Prof. Dr. Nehen, was sind die ersten Zeichen dafür, dass jemand an Alzheimer leidet?
Prof. Dr. Nehen: Die Anfangsphase der Erkrankung kann bis zu fünf Jahren dauern. In dieser Zeit sind die Probleme der Betroffenen jedoch nicht offensichtlich. Noch ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen: Die Erkrankten vergessen häufig Termine oder wo sie etwas hingelegt haben. Es fällt ihnen schwer, sich auszudrücken und erste Schwierigkeiten mit Orientierung und Zeitgefühl machen sich bemerkbar. Situationen, denen sie sich nicht mehr gewachsen fühlen - beispielsweise ein Skatabend mit Freunden - versuchen sie jetzt zu vermeiden. Auf das Nachlassen ihrer Fähigkeiten reagieren sie mit Wut, Aggression, Scham oder beschuldigen andere, beispielsweise Dinge versteckt zu haben. In dieser Phase wollen die Erkrankten, aber auch deren Angehörige, der Wahrheit häufig nicht ins Gesicht sehen. Man sollte sich aber nicht scheuen darüber zu reden, wenn erste Symptome auftreten. Ein Besuch beispielsweise in der Memory-Clinic, unserer Gedächtnisambulanz, bringt Gewissheit, ob es sich tatsächlich um die Alzheimererkrankung handelt oder ob die Störungen andere Ursachen haben.
Wie wird Alzheimer diagnostiziert?
Prof. Dr. Nehen: Auch mit der heutigen Apparatemedizin lässt sich Alzheimer nicht sicher diagnostizieren. Da die Gedächtnisstörungen und die anderen Symptome der Erkrankung Anzeichen ganz unterschiedlicher Krankheitsbilder sein können, gilt es diese auszuschließen. Dabei reicht die Sachkenntnis eines einzelnen Facharztes allein nicht aus. Bei uns in der Memory-Clinic testen und untersuchen mehrere Spezialisten aus den Fachbereichen Psychologie, Geriatrie, Psychiatrie und Pädagogik die Ratsuchenden. Das Gespräch steht dabei im Vordergrund. Patienten werden über ihr Leben, ihre Zukunftsentwürfe und über ihr soziales Umfeld befragt. Ein Neurologe prüft, ob eine organische Hirnstörung vorliegt. Dazu werden die Reflexe und Abwehrmechanismen getestet. Eine zusätzliche Abbildung des Gehirns mit Hilfe der Computer- oder Magnetresonanztomographie wird durchgeführt, wenn ein Verdacht auf andere Erkrankungen des Gehirns besteht. In psychologischen Tests werden Schweregrad und Art der Denkstörung und die Gedächtnisfähigkeit bestimmt. Dabei wird geprüft, ob abstrakte Zusammenhänge hergestellt, Zahlengrößen zugeordnet und Dinge konkret benannt werden können. Hier wird deutlich, ob der Ratsuchende lediglich eine Konzentrationsschwäche hat oder ob ihm die Wirklichkeit tatsächlich entgleitet. Die Einzelergebnisse werden zusammengefasst und bewertet. Durch gegenseitige Ergänzung und Kontrolle wird so gerade bei der Früherkennung einer Alzheimerdemenz der Gefahr von Fehlentscheidungen vorgebeugt.
Alzheimer gilt immer noch als unheilbar. - Welchen Sinn hat es, die Krankheit frühzeitig zu diagnostizieren?
Prof. Dr. Nehen: Eine möglichst frühe Diagnose ist deshalb sinnvoll, weil die heute verfügbaren Medikamente wie NMDA-Antagonisten oder Acetylcholinesterasehemmer zu Beginn der Krankheit am besten wirken. Je früher Alzheimer erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Chance, den Krankheitsprozess zu verlangsamen. Allerdings lässt sich nach bisherigem Forschungsstand auch mit der effektivsten Therapie der Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit nur um durchschnittlich ein Jahr verzögern. Arzneien, die das Absterben der Nervenzellen verhindern, gibt es leider noch nicht. Unser Ziel ist es daher, die Alltagskompetenz der Betroffenen möglichst lange zu erhalten und eine Pflegebedürftigkeit bzw. Heimeinweisung hinauszuzögern. Dazu ist manchmal auch der Einsatz von zusätzlichen Medikamenten z.B. gegen Unruhe oder Schlafstörungen, gegen parkinsonähnliche Bewegungsstörungen oder Depressionen notwendig. Neben der medikamentösen Therapie können auch Krankengymnastik oder Ergotherapie hilfreich sein. Da die Alzheimerdemenz laufend fortschreitet, ist jeder Stillstand der Erkrankung bereits ein Behandlungserfolg.
Wie ist die Prognose?
Prof. Dr. Nehen: Die Therapie von Alzheimer bedarf viel Erfahrung. Deshalb ist es wichtig, dass der Patient in speziellen Instituten und von erfahrenen Fachärzten behandelt wird. Vom Zeitpunkt der Diagnose an leben die meisten Patienten noch etwa vier bis acht Jahre, einige aber auch bis zu 20 Jahren. Je früher die Krankheit einsetzt, desto schneller ist meistens auch ihr Verlauf. Mit den Medikamenten und den anderen Therapiemaßnahmen kann, wie schon gesagt, diese Entwicklung in vielen Fällen verlangsamt werden. Gelegentlich kommt es dabei auch zu einer vorübergehenden Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Früher oder später werden die Patienten jedoch alle pflegebedürftig, was für die Angehörigen eine hohe psychische Belastung darstellt.
Woran sollte man noch denken, wenn die Krankheit diagnostiziert wurde?
Prof. Dr. Nehen: Zu Beginn ihrer Krankheit können Erkrankte noch vieles für die Zukunft regeln: Rechtliche und finanzielle Fragen sollten rechtzeitig und mit Hilfe professioneller Berater wie Rechtsanwälten und Fachärzten geklärt werden. Neben dem Testament ist eine Patientenverfügung sinnvoll, in der festgelegt wird, was passiert, wenn der Patient irgendwann nicht mehr in der Lage ist, medizinischen Maßnahmen zuzustimmen oder diese abzulehnen. Außerdem sollte er eine Person des Vertrauens bevollmächtigen, für ihn zu handeln, wenn er es selbst nicht mehr kann. Betroffene und deren Angehörige können jetzt auch noch gemeinsam überlegen, wie es weitergeht, wenn der Patient nicht mehr allein leben oder zuhause gepflegt werden kann. Insgesamt kann man sagen, dass eine frühzeitige Diagnose dem Betroffenen hilft, die ihm noch verbleibende, bewusst erlebte Zeit besser zu planen und den Angehörigen, sich auf ihre künftigen Aufgaben vorzubereiten. (EKE)

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