Alzheimer oder einfach nur vergesslich?
In Deutschland leiden bereits jetzt mehr als 850.000 Menschen an Alzheimer-Demenz. Jährlich kommen fast 100.000 neue Fälle hinzu. Aufgrund der demographischen Entwicklung gehen Schätzungen von einer Verdopplung dieser Zahlen bis zum Jahr 2030 aus. Nicht nur für alte Menschen ist diese Erkrankung ein Thema. Durch einen Krankheitsfall in der Familie werden auch viele Jüngere mit dem Problem Alzheimer konfrontiert, denn die Hauptlast in der Versorgung der Kranken tragen derzeit die Angehörigen. Etwa zwei Drittel der Betroffenen werden zu Hause versorgt.
Gewissheit
Der durchschnittliche Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung liegt bei etwa neun Jahren, in wenigen Fällen kann er bis zu 20 Jahren andauern. Im allgemeinen verläuft die Krankheit in drei Stadien. Die Anfangsphase kann dabei bis zu fünf Jahre dauern. In dieser Zeit sind die Probleme der Betroffenen noch nicht offensichtlich. "Die meisten Erkrankten sind sich ihrer Schwächen allerdings sehr bewusst, versuchen aber eine Fassade aufrecht zu erhalten," erklärt Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Leiter des Essener Geriatrie-Zentrums Haus Berge. "Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist dann betroffen: Die Erkrankten vergessen häufig Termine oder wo sie etwas hingelegt haben. Es fällt ihnen schwer, sich auszudrücken und erste Probleme mit Orientierung und Zeitgefühl machen sich bemerkbar. Situationen, denen sie sich nicht mehr gewachsen sehen, versuchen sie zu vermeiden. Auf das Nachlassen ihrer Fähigkeiten reagieren sie mit Wut, Aggression, Scham, oder sie beschuldigen andere, beispielsweise Dinge versteckt zu haben. In dieser Anfangsphase wollen Erkrankte - aber auch deren Angehörige - der Wahrheit häufig nicht ins Gesicht sehen. Man sollte sich aber nicht scheuen, darüber zu reden, wenn erste Symptome auftreten". Ein Besuch beispielsweise in der Memory-Clinic Essen bringt Gewissheit, ob es sich bei den auftretenden Gedächtnisstörungen tatsächlich um die Alzheimer-Erkrankung handelt oder ob diese andere Ursachen haben.
Zeit gewinnen
"Heilen lässt sich die Alzheimer-Demenz noch nicht, ihren Verlauf kann man aber mit den derzeit vorhandenen modernen Medikamenten verzögern und die Symptome wie Gedächtnisschwund, Orientierungslosigkeit und Persönlichkeitsveränderungen erheblich bessern", so Nehen. "Je früher die Alzheimer-Krankheit erkannt wird, umso größer ist erfahrungsgemäß der Behandlungserfolg. Werden moderne Antidementiva rechtzeitig eingesetzt, können die geistigen Fähigkeiten und damit die Teilnahme am täglichen Leben für Monate bis Jahre noch gut erhalten werden. Die häufig durch die Erkrankung verursachten Verhaltensstörungen wie Aggressionen oder Wahnideen und die damit verbundene Unruhe können ebenfalls wirkungsvoll medikamentös gemildert werden. Durch die richtige medikamentöse Therapie sowie begleitende nicht-medikamentöse Maßnahmen gewinnen also die Betroffenen und auch ihre Angehörigen deutlich mehr Lebensqualität."
"Für Angehörige ist es außerdem oft leichter zu ertragen, wenn sie wissen, dass mögliche Wutanfälle und verbale Attacken zum Krankheitsbild der Alzheimer-Demenz gehören und nicht persönlich gemeint sind", ergänzt der in der Memory-Clinic tätige Diplom-Sozialpädagoge Carsten Brandenberg. "Das Wissen um die möglichen Symptome und Verlaufsformen sowie über die psychologischen Aspekte der Alzheimer-Erkrankung können die Angehörigen darin unterstützen, Verständnis für Verhaltensweisen der Betroffenen zu entwickeln und so ein möglichst harmonisches Verhältnis in den Familien zu schaffen. Ist dies nicht der Fall, entwickelt sich oft ein emotionaler Teufelskreis: Auf negatives Verhalten des Erkrankten folgt eine entsprechend negative Reaktion des Angehörigen, die dann wieder zum negativen Verhalten des Erkrankten führt."
Zukunftsplanung
Wird eine Alzheimer-Demenz früh diagnostiziert, kann der Betroffene außerdem die ihm noch verbleibende, bewusst erlebbare Zeit besser planen, und auch die Angehörigen können sich besser auf ihre künftigen Aufgaben vorbereiten. "Zu Beginn ihrer Krankheit können Alzheimer-Kranke noch vieles für die Zukunft regeln", erklärt Brandenberg. "Rechtliche und finanzielle Fragen sollten möglichst frühzeitig und mit Hilfe professioneller Berater geklärt werden. Neben dem Testament ist eine Patientenverfügung sinnvoll, die festlegt, was passiert, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, medizinischen Maßnahmen zuzustimmen oder diese abzulehnen. Außerdem sollte er eine Person des Vertrauens bevollmächtigen, für ihn zu handeln, wenn er es selbst nicht mehr kann. In der Anfangsphase der Alzheimer-Demenz können der Erkrankte und seine Angehörigen auch noch gemeinsam überlegen, was passieren soll, wenn er eines Tages nicht mehr allein leben oder zuhause gepflegt werden kann."
Information besonders wichtig
Bei der Mehrzahl der Betroffenen wird die Alzheimer-Demenz leider auch heute noch viel zu spät entdeckt. Ein ärztlicher Rat wird zumeist erst dann eingeholt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Häufig verstreicht so wertvolle Zeit, die für eine erfolgreiche Behandlung sinnvoll hätte genutzt werden können. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Chancen der Früherkennung zu lenken, ist deshalb seit vielen Jahren das Ziel der Essener Memory-Clinic und des Memory-Mobils der Alzheimer-Gesellschaft Essen e.V.. Menschen aller Altersgruppen werden durch das rollende Infomobil angesprochen. An verschiedenen Punkten des Ruhrgebiets machen die Experten in regelmäßigen Abständen Halt, um Interessierten direkt vor Ort alle Fragen zu beantworten, die sich im Zusammenhang mit der Thematik stellen. Besucher werden aufgeklärt, welche Symptome und Verhaltensweisen auf eine beginnende Erkrankung hindeuten und erhalten Informationen, die für das Arztgespräch hilfreich sein können. (EKE)
Gewissheit
Der durchschnittliche Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung liegt bei etwa neun Jahren, in wenigen Fällen kann er bis zu 20 Jahren andauern. Im allgemeinen verläuft die Krankheit in drei Stadien. Die Anfangsphase kann dabei bis zu fünf Jahre dauern. In dieser Zeit sind die Probleme der Betroffenen noch nicht offensichtlich. "Die meisten Erkrankten sind sich ihrer Schwächen allerdings sehr bewusst, versuchen aber eine Fassade aufrecht zu erhalten," erklärt Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Leiter des Essener Geriatrie-Zentrums Haus Berge. "Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist dann betroffen: Die Erkrankten vergessen häufig Termine oder wo sie etwas hingelegt haben. Es fällt ihnen schwer, sich auszudrücken und erste Probleme mit Orientierung und Zeitgefühl machen sich bemerkbar. Situationen, denen sie sich nicht mehr gewachsen sehen, versuchen sie zu vermeiden. Auf das Nachlassen ihrer Fähigkeiten reagieren sie mit Wut, Aggression, Scham, oder sie beschuldigen andere, beispielsweise Dinge versteckt zu haben. In dieser Anfangsphase wollen Erkrankte - aber auch deren Angehörige - der Wahrheit häufig nicht ins Gesicht sehen. Man sollte sich aber nicht scheuen, darüber zu reden, wenn erste Symptome auftreten". Ein Besuch beispielsweise in der Memory-Clinic Essen bringt Gewissheit, ob es sich bei den auftretenden Gedächtnisstörungen tatsächlich um die Alzheimer-Erkrankung handelt oder ob diese andere Ursachen haben.
Zeit gewinnen
"Heilen lässt sich die Alzheimer-Demenz noch nicht, ihren Verlauf kann man aber mit den derzeit vorhandenen modernen Medikamenten verzögern und die Symptome wie Gedächtnisschwund, Orientierungslosigkeit und Persönlichkeitsveränderungen erheblich bessern", so Nehen. "Je früher die Alzheimer-Krankheit erkannt wird, umso größer ist erfahrungsgemäß der Behandlungserfolg. Werden moderne Antidementiva rechtzeitig eingesetzt, können die geistigen Fähigkeiten und damit die Teilnahme am täglichen Leben für Monate bis Jahre noch gut erhalten werden. Die häufig durch die Erkrankung verursachten Verhaltensstörungen wie Aggressionen oder Wahnideen und die damit verbundene Unruhe können ebenfalls wirkungsvoll medikamentös gemildert werden. Durch die richtige medikamentöse Therapie sowie begleitende nicht-medikamentöse Maßnahmen gewinnen also die Betroffenen und auch ihre Angehörigen deutlich mehr Lebensqualität."
"Für Angehörige ist es außerdem oft leichter zu ertragen, wenn sie wissen, dass mögliche Wutanfälle und verbale Attacken zum Krankheitsbild der Alzheimer-Demenz gehören und nicht persönlich gemeint sind", ergänzt der in der Memory-Clinic tätige Diplom-Sozialpädagoge Carsten Brandenberg. "Das Wissen um die möglichen Symptome und Verlaufsformen sowie über die psychologischen Aspekte der Alzheimer-Erkrankung können die Angehörigen darin unterstützen, Verständnis für Verhaltensweisen der Betroffenen zu entwickeln und so ein möglichst harmonisches Verhältnis in den Familien zu schaffen. Ist dies nicht der Fall, entwickelt sich oft ein emotionaler Teufelskreis: Auf negatives Verhalten des Erkrankten folgt eine entsprechend negative Reaktion des Angehörigen, die dann wieder zum negativen Verhalten des Erkrankten führt."
Zukunftsplanung
Wird eine Alzheimer-Demenz früh diagnostiziert, kann der Betroffene außerdem die ihm noch verbleibende, bewusst erlebbare Zeit besser planen, und auch die Angehörigen können sich besser auf ihre künftigen Aufgaben vorbereiten. "Zu Beginn ihrer Krankheit können Alzheimer-Kranke noch vieles für die Zukunft regeln", erklärt Brandenberg. "Rechtliche und finanzielle Fragen sollten möglichst frühzeitig und mit Hilfe professioneller Berater geklärt werden. Neben dem Testament ist eine Patientenverfügung sinnvoll, die festlegt, was passiert, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, medizinischen Maßnahmen zuzustimmen oder diese abzulehnen. Außerdem sollte er eine Person des Vertrauens bevollmächtigen, für ihn zu handeln, wenn er es selbst nicht mehr kann. In der Anfangsphase der Alzheimer-Demenz können der Erkrankte und seine Angehörigen auch noch gemeinsam überlegen, was passieren soll, wenn er eines Tages nicht mehr allein leben oder zuhause gepflegt werden kann."
Information besonders wichtig
Bei der Mehrzahl der Betroffenen wird die Alzheimer-Demenz leider auch heute noch viel zu spät entdeckt. Ein ärztlicher Rat wird zumeist erst dann eingeholt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Häufig verstreicht so wertvolle Zeit, die für eine erfolgreiche Behandlung sinnvoll hätte genutzt werden können. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Chancen der Früherkennung zu lenken, ist deshalb seit vielen Jahren das Ziel der Essener Memory-Clinic und des Memory-Mobils der Alzheimer-Gesellschaft Essen e.V.. Menschen aller Altersgruppen werden durch das rollende Infomobil angesprochen. An verschiedenen Punkten des Ruhrgebiets machen die Experten in regelmäßigen Abständen Halt, um Interessierten direkt vor Ort alle Fragen zu beantworten, die sich im Zusammenhang mit der Thematik stellen. Besucher werden aufgeklärt, welche Symptome und Verhaltensweisen auf eine beginnende Erkrankung hindeuten und erhalten Informationen, die für das Arztgespräch hilfreich sein können. (EKE)

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