Lebererkrankungen: Was verursacht Leberkrebs? Risikofaktoren von Leberkrebs vermeiden

Die Leber ist ein robustes Organ, das sich sogar in gewissem Umfang selbst regenerieren kann. Dennoch können Überlastungsschäden, Entzündungen, Erkrankungen oder langfristige Schadstoffexpositionen im Lauf der Zeit zur Entwicklung einer Krebserkrankung führen. Die beste Vorbeugungsstrategie ist die Gesunderhaltung der Leber, denn eine gesunde Leber erkrankt fast nie an Krebs. Wer seine individuellen Gefährdungsfaktoren kennt und entsprechend handelt, kann daher einiges dafür tun, das persönliche Erkrankungsrisiko zu senken.

Leberzirrhose und Alkoholkonsum
In Deutschland gilt die Leberzirrhose infolge übermäßigen Alkoholkonsums als einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines Leberzellkarzinoms. Die Leberzirrhose ist eine chronische Erkrankung, bei der Leberzellen durch Binde- und Narbengewebe ersetzt werden. Durch die Zerstörung der Leberzellen büßt die Leber nach und nach ihre Funktionsfähigkeit ein. Zudem erhöht sich auch das Risiko für Leberzellkrebs. Pro Jahr entwickelt sich bei etwa 1 bis 4 Prozent der Zirrhose-Patienten ein Leberzellkarzinom (1).

Zur Gesunderhaltung der Leber ist ein moderater Alkoholkonsum besonders wichtig. Patienten mit einer Leberzirrhose sollten ganz auf Alkohol verzichten, um das Fortschreiten der Krankheit nicht unnötig zu beschleunigen.

Virusinfektionen mit Hepatitis B und Hepatitis C
In den meisten Regionen der Erde sind Infektionen mit dem Hepatitis-B- oder dem Hepatitis-C-Virus die Hauptursachen von Leberzellkrebs (2). In Asien und in Afrika steht die chronische Hepatitis B als Ursache des Leberzellkarzinoms im Vordergrund. In Deutschland und anderen Ländern Europas sowie in den USA ist die chronische Hepatitis C vermutlich für die Verdoppelung der jährlichen Leberzellkrebsfälle innerhalb der letzten 20 Jahre verantwortlich. Hepatitis C kann erst seit Anfang der 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts nachgewiesen werden. Daher konnte sich das Virus in den Jahrzehnten zuvor unbemerkt verbreiteten. Hepatitis B verläuft bei Erwachsenen in etwa 10 Prozent aller Fälle chronisch, Hepatitis C sogar in 50 Prozent aller Fälle. Meist dauert es etwa 20 bis 30 Jahre, bis infolge von chronischer Hepatitis C ein Leberzellkarzinom auftritt (1).

Hepatitisinfektionen lassen sich häufig durch die Kenntnis der Übertragungswege und entsprechende Hygienemaßnahmen vermeiden. Hepatitis B wird über Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Samen- oder Scheidenflüssigkeit übertragen. Gegen Hepatitis B steht eine Schutzimpfung zur Verfügung. Hepatitis C wird über Kontakte mit dem Blut infizierter Personen, beispielsweise durch Benutzung unsauberer Spritzen weitergegeben. Gegen Hepatitis C ist derzeit keine Impfung möglich.

Ernährung
Krebserregende Aflatoxine werden von Schimmelpilzen gebildet, die vor der Ernte auf Pflanzen oder während der Lagerung auf Lebensmitteln wachsen. In tropischen und subtropischen Ländern mit feucht-warmem Klima entsteht Leberzellkrebs daher häufig aufgrund des Verzehrs von aflatoxinhaltigem Mehl oder Getreide. In Deutschland können Aflatoxine in Nüssen, Pistazien oder Mandeln enthalten sein.

Einzelne Nahrungsmittel sind ansonsten nicht mit einem erhöhten Risiko für Leberzellkrebs verbunden. Ungesunde Ernährungsgewohnheiten können jedoch zu Leberschäden und Lebererkrankungen führen und so ein Leberzellkarzinom begünstigen. Ernährungsbedingte Erkrankungen wie Adipositas (extremes Übergewicht) und die Zuckerkrankheit (Diabetes) sind ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Leberzellkrebs verbunden (1)
Eine gesunde fettarme Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen sowie moderatem Alkoholkonsum führt zum Normalgewicht und hält die Leber gesund. Alle Lebensmittel mit Verdacht auf Schimmelpilze sollten weggeworfen werden.

Medikamente
Die meisten Medikamente stehen nicht in einem direkten Zusammenhang mit der Entwicklung eines Leberzellkarzinoms. Viele Medikament werden aber über die Leber verstoffwechselt und sollten bei Leberschäden niedriger dosiert oder vermieden werden.
Die Einnahme von Sexualhormonen oder von oralen Verhütungsmitteln kann zu Leberschäden führen und die Entstehung von Leberzellkarzinomen begünstigen. Dies wurde vor allem bei der unkontrollierten Einnahme von Anabolika beim Doping beobachtet.
Berufliche Einflüsse

Bei Berufsgruppen, die häufig in Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder Ausscheidungen anderer Menschen kommen, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Hepatitis B und C und damit auch für Leberzellkrebs. Dazu gehören vor allem Beschäftigte im medizinischen Bereich, wie Ärzte, Zahnärzte, Helfer/innen, Krankenschwestern oder Pfleger/innen. Für diesen Personenkreis wird eine Hepatitis-B-Impfung empfohlen.

Aber auch Menschen, die im Berufsalltag regelmäßig mit bestimmten Chemikalien wie Lösungsmittel, Pflanzenschutzmitteln oder Insektiziden in Kontakt kommen, haben ein erhöhtes Leberkrebsrisiko. Die krebserzeugenden Stoffe werden mit der Atemluft oder über die Haut aufgenommen und können Leberschäden verursachen. In Deutschland spielen diese Faktoren jedoch im Vergleich zum Alkoholkonsum oder zur chronischen Hepatitis eine untergeordnete Rolle als Risikofaktor für Leberzellkrebs.

Haushaltschemikalien
Auch Chemikalien, die im Haushalt häufig verwendet werden, können die Leber belasten und zusammen mit anderen leberschädigenden Einflüssen das Leberkrebsrisiko erhöhen. Prüfen Sie Haushaltschemikalien wie Pflanzenschutzmittel, Holzschutzmittel, Insektizide oder Lösemittel aus Lacken und Farben auf ihre Lebertoxizität und vermeiden Sie den Umgang mit den entsprechenden Substanzen.

Genetische Faktoren
Manche erblich bedingte Stoffwechselerkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für Leberzellkrebs verbunden. Dazu gehört vor allem die Eisenspeicherkrankheit (Hämatochromatose), bei der eine vermehrte Aufnahme von Eisen aus der Nahrung zur Überlastung und Schädigung der Leber führen kann. Bei etwa 30 Prozent der Patienten mit Hämatochromatose und Leberzirrhose entsteht ein Leberzellkarzinom (1). Sehr selten entwickelt sich Leberzellkrebs auch aufgrund von primär biliärer Zirrhose (Autoimmunerkrankung der Leber), Autoimmunhepatitis, Morbus Wilson (Kupfer-Speicherkrankheit) oder erblich bedingtem Antitrypsin-Mangel.

Bei Patienten mit Hämochromatose kann durch Kontrolle und regelmäßige Verringerung der Eisenmenge im Körper der Entstehung von Leberkrebs vorgebeugt werden.

Mehrere Risikofaktoren vervielfachen das Krebsrisiko
Die Kombination mehrerer Risikofaktoren vervielfacht das Risiko für ein Leberzellkarzinom. So reagiert die Leber besonders empfindlich auf Alkohol oder Aflatoxine, wenn bereits eine chronische Hepatitis B oder C vorliegt (3). In den meisten Fällen sind Betroffene nur mit einem Typ der Hepatitis-Viren infiziert. Etwa 20 Prozent der Hepatitispatienten haben sich jedoch mit beiden Viren-Typen angesteckt. Bei ihnen ist das Risiko an Leberzellkrebs zu erkranken ebenfalls besonders hoch (4).


Verwendete Literatur:
  1. krebsgesellschaft.de
  2. Krebs der Leber und Gallenwege: Broschüre der Deutschen Krebshilfe
  3. Leberzellkarzinom bei Wikipedia



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