Neuer Kurs in der MS-Frühtherapie
Bedeutung der Kernspinntomographie für die Diagnose und Frühtherapie der Multiplen SkleroseThis text will be replaced
Multiple Sklerose - frühzeitige Diagnose optimiert Behandlungsmöglichkeiten für MS-Patienten
Multiple Sklerose (MS) - Die Frühtherapie der Multiplen Sklerose wird nicht zuletzt durch eine verbesserte Diagnostik ermöglicht. So äußerte Prof. Dr. Michael Sailer, Magdeburg, anläßlich des 82. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Nürnberg, dass sich mittels der Magnetresonanztomographie (MRT) bereits früh die Aktivität der MS erfassen und daraus die Prognose der Patienten abschätzen lassen. Ist eine relevante Läsionslast im MRT fassbar und zeigt sich dabei sogar eine Aktivitätszunahme, so ist dies als Indikation zur Frühtherapie zu werten, betonte der Mediziner in Nürnberg. Nach seinen Erfahrungen können durch die Magnetresonanztomographie 50% der MS-Patienten erfasst werden, die dann einer Frühtherapie zugeführt werden. Da jeder axonale Schaden irreversibel ist, sind nach seinen Einschätzungen ein "Abwarten" und eine Verzögerung der Frühtherapie der MS für die Entwicklung des MS-Patienten nicht diskutabel.
Frühe Behandlung von Multipler Sklerose führt zur Reduktion der Schubrate und Hemmung der Behinderungsprogression
Dass eine Frühtherapie dem Patienten direkt nutzt, hat eindrucksvoll die BENEFIT-Studie (BEtaferon®/Betaseron® in Newly Emerging Multiple Sclerosis For Initial Treatment) ergeben, in der CIS-Patienten (Clinically Isolated Syndrom) zunächst für zwei Jahre mit Interferon beta-1b oder Placebo behandelt wurden. Nach zwei Jahren (oder im Falle eines zweiten Schubes) erhielten auch die Patienten der Placebogruppe Interferon beta-1b, wobei sich eine Nachbeobachtungszeit von drei Jahren anschloss. Die Studienergebnisse sprechen nach Privatdozent Dr. Mathias Mäurer, Bad Mergentheim, eindeutig für die Frühtherapie: So ergab sich in der Placebogruppe während des Zwei-Jahres-Zeitraums ein kumulatives Risiko für eine „Clinically Definite Multiple Sclerosis“, also eine klinisch manifeste MS (CDMS) von 45 Prozent unter Placebo, aber nur 28 Prozent unter Interferon beta-1b. „Das entspricht einer signifikanten Risikoreduktion um nahezu 50 Prozent über zwei Jahre“, erklärte Mäurer. Zugleich wurde eine statistisch eindeutige Verzögerung der Progression zur CDMS um etwa ein Jahr unter Betaferon® registriert.
Vorteile der Frühbehandlung von MS
Die Vorteile der Frühtherapie bestätigten sich am Ende des Drei-Jahres-Zeitraumes, wobei das Risiko für eine Behinderungsprogression bei 24 Prozent der Patienten, die zunächst Placebo erhalten haben, auftrat. In der sofort mit Interferon beta-1b behandelten Gruppe waren es nur 16 Prozent(Kappos et al., Lancet 2007). Das entspricht nach Mäurer einer signifikanten Risikoreduktion der Behinderungsprogression von 40 Prozent. Die günstigen Effekte blieben auch über den gesamten Fünf-Jahreszeitraum erhalten, wobei laut Mäurer an dessen Ende bei Patienten unter der sofortigen Frühtherapie eine signifikante Verzögerung der Manifestation einer CDMS festgestellt wurde und ebenso zeigte sich nach Auswertung der sekundären Endpunkte ein deutlich besserer Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit (Kappos et al., Lancet Neurology, 2009).

Unter dem Titel "20 Jahre Fortschritt und Erfolge in der MS-Therapie" diskutierten Experten am Rande des 82. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Nürnberg Optionen der frühzeitigen MS-Therapie
Compliance bei MS Therapie durch umfassende Betreuung gesichert
Die günstigen Effekte der Frühtherapie werden allerdings nur realisiert, wenn die Beteiligung der Patienten gut ist. Um eine möglichst optimale Therapietreue (Compliance) der Patienten zu gewährleisten, wurde das BETAPLUS®-Programm etabliert, mit dem die Betroffenen einerseits regelmäßig mit Informationen rund um die MS und den Umgang mit der Erkrankung versorgt werden, andererseits aber auch mit eigens hierfür geschulten MS-Schwestern und -Betreuern einen persönlichen Ansprechpartner bekommen, der ihnen bei der Bewältigung ihrer Krankheit mit Rat und Tat zur Seite steht. „Wir schulen die Patienten in der Handhabung der Injektionssysteme, erläutern ihnen die Erkrankung und zeigen ihnen Wege auf, wie bei potenziellen Nebenwirkungen in Absprache mit dem behandelnden Arzt zu verfahren ist und allgemeine Probleme im Umgang mit der MS zu meistern sind“, erläutert Klaus Hübner aus München, der als BETAPLUS®-Betreuer tätig ist.
Behandlung der MS: mit Monoklonalem Antikörper Alemtuzumab weitere Therapiefortschritte möglich
Weitere Therapiefortschritte könnten sich in Zukunft durch neue Therapieoptionen der MS realisieren lassen. Einer der größten Hoffnungsträger der Wissenschaftler ist der monoklonale Antikörper Alemtuzumab. Der Antikörper, der bereits zur Therapie der chronisch lymphatischen Leukämie vom B-Zell-Typ (B-CLL) zugelassen ist, richtet sich gegen das CD52-Antigen auf der Oberfläche von T- und B-Zellen und setzt durch die Bindung an die Oberflächenrezeptoren eine Kaskade zytolytischer Reaktionen in Gang, die in einer reversiblen T-und B-Zell-Reduzierung (Depletion) mündet.
Die ersten Studien zu Alemtuzumab lieferten hoffnungsvolle Ergebnisse mit einer signifikanten Reduktion der mittleren jährlichen Schubrate bei Patienten mit schubförmiger und mit sekundär progressiver MS um mehr als 90 Prozent (Coles et al., Neurology, 2006). In einer nachfolgenden Phase II-Studie, der so genannten CAMMS223-Studie, in der Alemtuzumab in zwei verschiedenen Dosierungen (12 und 24 mg) an fünf aufeinanderfolgenden Tagen und in einem weiteren Zyklus nach einem Jahr an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei schubförmiger MS verabreicht wurde, bestätigte sich die gute klinische Wirksamkeit des Antikörpers. In der Vergleichsgruppe wurde Interferon-ß-1a (s.c.) 44µg über den gesamten Studienzeitraum jeweils dreimal pro Woche verabreicht.
Es liegen inzwischen bereits die Drei-Jahres-Daten publiziert vor (CAMMS 223 Trial Investigators, NEJM, 2008), wobei sich laut Professor Dr. Hans-Peter Hartung, Düsseldorf, eine signifikante Reduktion der Behinderungsprogression unter Alemtuzumab im Vergleich zum Interferon beta-1a (s.c.) um 71 Prozent ergeben hat. Es wurde ferner eine statistisch eindeutige Minderung der jährlichen Schubrate registriert bei gleichzeitig signifikant mehr Patienten, die über den gesamten Beobachtungszeitraum schubfrei geblieben sind. Die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Alemtuzumab bei der Behandlung der MS wird nunmehr in zwei Phase III-Zulassungsstudien, der CARE-MS I und II (Comparison of Alemtuzumab and Rebif Efficacy in Multiple Sclerosis), weiter untersucht. Die Behandlung mit injizierbaren Immunmodulatoren kombiniert mit ständig verbesserten Injektionssystemen und einer engmaschigen Betreuung durch speziell geschulte MS-Betreuer, wie sie beispielsweise mit dem BETAPLUS®-Programm geboten wird, ist seit 20 Jahren der unbestrittene Goldstandard in der MS-Therapie. (MEDIZIN ASPEKTE 09/2009)
Quelle
82. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Nürnberg
Bayer HealthCare
Pressegespräch
"20 Jahre Fortschritt und Erfolge in der MS-Therapie"
Referenten
Frühe Behandlung von Multipler Sklerose führt zur Reduktion der Schubrate und Hemmung der Behinderungsprogression
Dass eine Frühtherapie dem Patienten direkt nutzt, hat eindrucksvoll die BENEFIT-Studie (BEtaferon®/Betaseron® in Newly Emerging Multiple Sclerosis For Initial Treatment) ergeben, in der CIS-Patienten (Clinically Isolated Syndrom) zunächst für zwei Jahre mit Interferon beta-1b oder Placebo behandelt wurden. Nach zwei Jahren (oder im Falle eines zweiten Schubes) erhielten auch die Patienten der Placebogruppe Interferon beta-1b, wobei sich eine Nachbeobachtungszeit von drei Jahren anschloss. Die Studienergebnisse sprechen nach Privatdozent Dr. Mathias Mäurer, Bad Mergentheim, eindeutig für die Frühtherapie: So ergab sich in der Placebogruppe während des Zwei-Jahres-Zeitraums ein kumulatives Risiko für eine „Clinically Definite Multiple Sclerosis“, also eine klinisch manifeste MS (CDMS) von 45 Prozent unter Placebo, aber nur 28 Prozent unter Interferon beta-1b. „Das entspricht einer signifikanten Risikoreduktion um nahezu 50 Prozent über zwei Jahre“, erklärte Mäurer. Zugleich wurde eine statistisch eindeutige Verzögerung der Progression zur CDMS um etwa ein Jahr unter Betaferon® registriert.
Vorteile der Frühbehandlung von MS
Die Vorteile der Frühtherapie bestätigten sich am Ende des Drei-Jahres-Zeitraumes, wobei das Risiko für eine Behinderungsprogression bei 24 Prozent der Patienten, die zunächst Placebo erhalten haben, auftrat. In der sofort mit Interferon beta-1b behandelten Gruppe waren es nur 16 Prozent(Kappos et al., Lancet 2007). Das entspricht nach Mäurer einer signifikanten Risikoreduktion der Behinderungsprogression von 40 Prozent. Die günstigen Effekte blieben auch über den gesamten Fünf-Jahreszeitraum erhalten, wobei laut Mäurer an dessen Ende bei Patienten unter der sofortigen Frühtherapie eine signifikante Verzögerung der Manifestation einer CDMS festgestellt wurde und ebenso zeigte sich nach Auswertung der sekundären Endpunkte ein deutlich besserer Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit (Kappos et al., Lancet Neurology, 2009).

Unter dem Titel "20 Jahre Fortschritt und Erfolge in der MS-Therapie" diskutierten Experten am Rande des 82. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Nürnberg Optionen der frühzeitigen MS-Therapie
Compliance bei MS Therapie durch umfassende Betreuung gesichert
Die günstigen Effekte der Frühtherapie werden allerdings nur realisiert, wenn die Beteiligung der Patienten gut ist. Um eine möglichst optimale Therapietreue (Compliance) der Patienten zu gewährleisten, wurde das BETAPLUS®-Programm etabliert, mit dem die Betroffenen einerseits regelmäßig mit Informationen rund um die MS und den Umgang mit der Erkrankung versorgt werden, andererseits aber auch mit eigens hierfür geschulten MS-Schwestern und -Betreuern einen persönlichen Ansprechpartner bekommen, der ihnen bei der Bewältigung ihrer Krankheit mit Rat und Tat zur Seite steht. „Wir schulen die Patienten in der Handhabung der Injektionssysteme, erläutern ihnen die Erkrankung und zeigen ihnen Wege auf, wie bei potenziellen Nebenwirkungen in Absprache mit dem behandelnden Arzt zu verfahren ist und allgemeine Probleme im Umgang mit der MS zu meistern sind“, erläutert Klaus Hübner aus München, der als BETAPLUS®-Betreuer tätig ist.
Behandlung der MS: mit Monoklonalem Antikörper Alemtuzumab weitere Therapiefortschritte möglich
Weitere Therapiefortschritte könnten sich in Zukunft durch neue Therapieoptionen der MS realisieren lassen. Einer der größten Hoffnungsträger der Wissenschaftler ist der monoklonale Antikörper Alemtuzumab. Der Antikörper, der bereits zur Therapie der chronisch lymphatischen Leukämie vom B-Zell-Typ (B-CLL) zugelassen ist, richtet sich gegen das CD52-Antigen auf der Oberfläche von T- und B-Zellen und setzt durch die Bindung an die Oberflächenrezeptoren eine Kaskade zytolytischer Reaktionen in Gang, die in einer reversiblen T-und B-Zell-Reduzierung (Depletion) mündet.
Die ersten Studien zu Alemtuzumab lieferten hoffnungsvolle Ergebnisse mit einer signifikanten Reduktion der mittleren jährlichen Schubrate bei Patienten mit schubförmiger und mit sekundär progressiver MS um mehr als 90 Prozent (Coles et al., Neurology, 2006). In einer nachfolgenden Phase II-Studie, der so genannten CAMMS223-Studie, in der Alemtuzumab in zwei verschiedenen Dosierungen (12 und 24 mg) an fünf aufeinanderfolgenden Tagen und in einem weiteren Zyklus nach einem Jahr an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei schubförmiger MS verabreicht wurde, bestätigte sich die gute klinische Wirksamkeit des Antikörpers. In der Vergleichsgruppe wurde Interferon-ß-1a (s.c.) 44µg über den gesamten Studienzeitraum jeweils dreimal pro Woche verabreicht.
Es liegen inzwischen bereits die Drei-Jahres-Daten publiziert vor (CAMMS 223 Trial Investigators, NEJM, 2008), wobei sich laut Professor Dr. Hans-Peter Hartung, Düsseldorf, eine signifikante Reduktion der Behinderungsprogression unter Alemtuzumab im Vergleich zum Interferon beta-1a (s.c.) um 71 Prozent ergeben hat. Es wurde ferner eine statistisch eindeutige Minderung der jährlichen Schubrate registriert bei gleichzeitig signifikant mehr Patienten, die über den gesamten Beobachtungszeitraum schubfrei geblieben sind. Die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Alemtuzumab bei der Behandlung der MS wird nunmehr in zwei Phase III-Zulassungsstudien, der CARE-MS I und II (Comparison of Alemtuzumab and Rebif Efficacy in Multiple Sclerosis), weiter untersucht. Die Behandlung mit injizierbaren Immunmodulatoren kombiniert mit ständig verbesserten Injektionssystemen und einer engmaschigen Betreuung durch speziell geschulte MS-Betreuer, wie sie beispielsweise mit dem BETAPLUS®-Programm geboten wird, ist seit 20 Jahren der unbestrittene Goldstandard in der MS-Therapie. (MEDIZIN ASPEKTE 09/2009)
Quelle
82. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Nürnberg
Bayer HealthCare
Pressegespräch
"20 Jahre Fortschritt und Erfolge in der MS-Therapie"
Referenten
- Meilensteine in der MS-Therapie
Priv. Doz. Dr. med. Mathias Maurer
Chefarzt Neurologie am Caritas Krankenhaus
Bad Mergentheim
- Frühe Diagnostik - MRT: Wie, wann und wie oft?
Prof. Dr. med. Michael Sailer
Leiter der Multiple-Sklerose-Ambulanz Neurologische Universitätsklinik Magdeburg
- Individuelle Patientenbetreuung - was ist für die Patienten wirklich wichtig?
Klaus Hübner
BETAPLUS®-Betreuer, München
- Alemtuzumab - zurück in die Zukunft
Prof. Dr. med. Hans-Peter Härtung
Direktor der neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf

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